Wie viel verdient man wirklich mit Online-Kursen? Echte Zahlen für den Schweizer Markt
Online-Kurse generieren in der Schweiz typischerweise zwischen CHF 0 und CHF 80'000 pro Jahr - mit einer extrem ungleichen Verteilung. Die Zahlen klingen entweder erschreckend nüchtern oder fantastisch hoch, je nachdem, welche Quelle du liest. Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte, sondern in einer bimodalen Kurve: Die grosse Mehrheit verdient kaum etwas, eine kleine Gruppe verdient ausserordentlich viel.
Was die Daten aus grossen Plattform-Studien zeigen:
- 75% der Udemy-Instructors verdienen unter USD 1'000 (ca. CHF 880) pro Jahr - und davon legen die meisten ihren Kurs innerhalb von 12 Monaten auf Eis. Quelle: Sell Courses Online - Udemy Earnings Study
- Median über alle grossen Plattformen: rund USD 37'000 (ca. CHF 33'000) jährlich - dieser Wert ist jedoch nach oben verzerrt durch die wenigen Top-Verdienenden. Quelle: Kajabi Creator Report
- Das Top-1-Prozent verdient über USD 100'000 (ca. CHF 88'000) pro Jahr - und fast alle von ihnen haben mehrere Jahre investiert, bevor sie diese Schwelle erreichten. Quelle: Udemy Earnings Study
- 54% aller digitalen Produkte von unabhängigen Erstellern generieren USD 0 - null Franken, null Euro, null Dollar. Quelle: Calmops Indie Hacker Income Report Analysis
- Was die wenigen Erfolgreichen gemeinsam haben: ein klar abgegrenztes Thema, eine namentlich definierbare Zielgruppe, konsequentes Marketing über mehrere Monate und die Bereitschaft, den Kurs nach erstem Feedback grundlegend zu überarbeiten.
Dieser Artikel zeigt dir die Zahlen so, wie sie sind - ohne Beschönigung und ohne Pessimismus. Und er zeigt dir, warum der Einstieg mit minimalen Fixkosten entscheidend für deine Lernkurve ist.
Was verdienen Online-Kurs-Anbieter wirklich im ersten Jahr?
Die zentrale Frage ist nicht, ob man mit Online-Kursen Geld verdienen kann. Die Antwort ist eindeutig: Ja, das ist möglich. Die entscheidende Frage lautet: Was ist realistisch für jemanden, der heute beginnt?
Die bimodale Verteilung in Zahlen
| Percentil | Typisches Jahreseinkommen (USD) | Ca. CHF | Wer steckt dahinter? |
|---|---|---|---|
| Unterste 75% | 0 - 1'000 | 0 - 880 | Kurs gestartet, kein aktives Marketing, wenig oder kein Publikum |
| 25.-50. Perzentil | 1'000 - 10'000 | 880 - 8'800 | Kleine, engagierte Nische, gelegentliche Launches |
| 50.-75. Perzentil | 10'000 - 40'000 | 8'800 - 35'000 | Wiederholte Launches, eigene E-Mail-Liste, ein bis zwei etablierte Kurse |
| 75.-95. Perzentil | 40'000 - 91'500 | 35'000 - 80'500 | Mehrjährige Präsenz, Kurs-Portfolio, aktive Community |
| Top 5% | 91'500 - 500'000+ | 80'500 - 440'000+ | Bekannte Marke, eigene Audience, diverse Formate |
Quelle der Basisdaten: Learning Revolution - eLearning Statistics, Udemy Earnings Study
Diese Tabelle erklärt, warum du je nach Quelle so unterschiedliche Zahlen liest. Plattformen wie Teachable oder Kajabi kommunizieren Durchschnitts- oder Medianwerte, die durch die Top-Verdienenden nach oben gezogen werden. Udemy hingegen hat eine riesige Masse an passiven Kursen von Erstellern, die nie aktiv vermarktet haben.
Warum der Durchschnitt in die Irre führt
Wenn eine Plattform mitteilt, dass ihre Creator im Durchschnitt USD 37'000 pro Jahr verdienen, klingt das einladend. Was fehlt: In diesem Durchschnitt steckt eine kleine Gruppe, die mehrere Hunderttausend Dollar jährlich erzielt, und eine grosse Mehrheit, die nahe null ist. Der statistische Mittelwert von zehn Menschen - neun verdienen CHF 0, einer verdient CHF 370'000 - ist CHF 37'000. Dieser Mittelwert beschreibt keinen dieser zehn Menschen korrekt.
Das zeigt sich besonders deutlich auf Udemy. Die Auswertung von Sell Courses Online analysierte tausende Instructors und fand: Der Median liegt bei weniger als USD 1'000 pro Jahr. Nur 1 Prozent der Instructors verdient mehr als USD 50'000. 75 Prozent verdienen weniger als USD 1'000 - viele davon USD 0.
Das ist nicht entmutigend. Es ist eine präzise Beschreibung des Ausgangspunkts. Wer diese Zahlen kennt, geht mit realistischen Erwartungen in die erste Kursphase - und gibt nicht nach dem ersten Monat auf, weil die Zahlen nicht den Versprechen aus YouTube-Werbung entsprechen.
Warum verdienen 75% der Kurs-Anbieter so wenig?
Die Antwort fällt nicht auf schlechte Inhalte. Viele Kurse, die kaum etwas verdienen, sind inhaltlich solid. Die Gründe liegen fast immer in einem dieser vier Bereiche:
1. Keine bestehende Audience
Ein Kurs ohne Publikum ist wie ein Laden in einer Strasse ohne Fussgänger. Online-Kurse verkaufen sich nicht von selbst, weil sie auf einer Plattform existieren. Wer heute einen Kurs erstellt und erwartet, dass Suchende ihn organisch finden, wird in den meisten Fällen enttäuscht.
Pat Flynn von Smart Passive Income hat in seinen öffentlichen Einkommensberichten mehrfach darauf hingewiesen: Sein erster erfolgreicher Kurs hatte vor dem Launch bereits eine E-Mail-Liste von einigen tausend Personen. Der Kurs war nicht der Start - er war das Ergebnis von zwei Jahren Vertrauensaufbau.
Das bedeutet nicht, dass du zwei Jahre warten musst. Aber es bedeutet: Wer eine Liste von 200 bis 500 engagierten Abonnenten aufgebaut hat, bevor er einen Kurs veröffentlicht, hat völlig andere Startbedingungen als jemand ohne Netzwerk.
2. Falsche Preissetzung
Zu günstige Kurse unter CHF 50 erzeugen zwei Probleme gleichzeitig: Sie erfordern eine sehr grosse Zahl an Käufen, um relevante Einnahmen zu generieren, und sie signalisieren - ob beabsichtigt oder nicht - geringe Wertigkeit. Ein Kurs für CHF 15 auf Udemy muss 200 Mal verkauft werden, um CHF 3'000 zu generieren. Ein Kurs für CHF 249 muss zwölf Mal verkauft werden.
Mehr dazu, wie du den Preis für deinen Kurs kalkulierst, findest du im Artikel Online-Kurs-Preise: Strategien für den Schweizer Markt.
3. Kein aktives Marketing
Plattformen zeigen neue Kurse in der Suchfunktion - manchmal. Aber SEO auf Kursplattformen ist hart umkämpft, und ohne aktive Vermarktung bleibt ein Kurs unsichtbar. Aktives Marketing bedeutet hier nicht unbedingt Werbeausgaben: Es bedeutet regelmässige Präsenz auf einem Kanal - Newsletter, LinkedIn, YouTube, Podcast, Community - und die konsequente Verlinkung auf das eigene Angebot.
4. Falsche Themenwahl ohne Marktvalidierung
Viele Ersteller wählen ein Thema, das sie selbst interessiert - ohne zu prüfen, ob jemand bereit ist, dafür Geld auszugeben. Marktvalidierung muss vor der Kurserstellung stattfinden. Ein Mindestziel: Mindestens drei bis fünf Personen ausführlich befragen, ob sie ein konkretes Problem haben, das dein Kurs lösen soll - und ob sie bereit wären, CHF X dafür zu zahlen. Wer diese Fragen nicht stellt, nimmt ein vermeidbares Risiko in Kauf.
Welche kleinen, realistischen Beispiele zeigen einen Weg für Anfänger?
Die grossen Namen - Pat Flynn mit USD 4,4 Millionen kumulativem Kurserlös, Marc Lou mit rund USD 70'000 pro Monat - sind real. Calmops.com dokumentiert diese Fälle in ihrer Indie-Hacker-Analyse. Aber sie sind für den Einstieg wenig hilfreich als Referenzpunkt.
Hier sind Beispiele, die den ersten bis dritten Schritt zeigen - also Einnahmen unter CHF 3'000 pro Monat.
Regina Anajionus erste Launch-Erfahrung
Regina Anajionu veröffentlichte ihren ersten Kurs mit einer E-Mail-Liste von 71 Personen. Das Ergebnis: USD 1'350 beim Launch, danach USD 1'000 pro Monat aus einer Evergreen-Struktur. Sie dokumentierte den gesamten Prozess auf ihrem Blog. Was lässt sich daraus lernen? Erstens: 71 Personen sind genug für einen ersten Beweis. Zweitens: Die Liste war eng und vertrauensbasiert - keine generische Masse. Drittens: USD 1'000 pro Monat aus einem Kurs, der einmal erstellt wurde, ist ein realistischer Anfangspunkt für den Aufbau.
Paediatric Sleep Consultant
Auf Starter Story sind mehrere dokumentierte Fälle von sehr spezialisierten Beratungsangeboten verzeichnet. Ein Beispiel: eine Beraterin für Kinderschlaf, die mit USD 500 pro Monat aus digitalen Guides startete und auf USD 12'000 pro Monat skalierte. Quelle: Starter Story - Online Courses Success Stories. Die Lektion hier ist nicht die Endzahl, sondern der Start: USD 500 pro Monat ist ein realer erster Beweis in einer sehr engen Nische.
Community-basierte Modelle auf Skool
Skool-Communitys mit 50 bis 100 Mitgliedern und einem Preis von USD 19 pro Monat generieren USD 950 bis 1'900 monatlich (USD 11'400 bis 22'800 jährlich). Communipass dokumentiert aktuelle Skool-Einkommensbenchmarks: 60 Prozent der aktiven Skool-Creator verdienen zwischen USD 1'000 und USD 10'000 monatlich. Das ist kein passives Einkommen - Community-Modelle erfordern aktive Betreuung. Aber es ist ein stabiles Wiederkehrmodell, das mit einer kleinen, zahlungsbereiten Gruppe funktioniert.
E-Commerce-Creator mit 2'400-Personen-Liste
Ein dokumentierter Launch-Case aus dem englischsprachigen Raum: 2'400 Personen auf der E-Mail-Liste, Konversionsrate von 4,1 Prozent, Verkaufspreis USD 299. Ergebnis: USD 29'400 aus einem einzelnen Launch - also nicht jährlich, sondern einmalig. Das entspricht einer realistischen Zahl für jemanden, der ein bis zwei Jahre in den Aufbau einer engagierten Liste investiert hat.
Was zeigen alle diese Beispiele gemeinsam? Keines von ihnen beginnt mit "Ich habe einen Kurs auf eine Plattform hochgeladen und abgewartet." Alle beginnen mit einer Audience, die vorher existierte.
Wie lange dauert es bis zum ersten Verkauf und zur Profitabilität?
Die Timeline ist eines der am meisten verdrehten Themen in der Online-Kurs-Industrie. Hier sind realistische Einschätzungen, gestützt auf externe Studien.
Erster Verkauf: ein bis vier Wochen nach Launch
Wenn du eine bestehende Audience hast - auch eine kleine - kann der erste Verkauf innerhalb von Stunden nach dem Launch erfolgen. Ohne jegliche Audience und ohne aktives Marketing: mehrere Monate bis gar kein erster Verkauf.
Break-even nach Erstellungskosten: ein bis drei Monate
Liquid Web schätzt den typischen Aufwand für einen professionellen Kurs auf CHF 1'000 bis 3'000 (Software, Aufnahmetechnik, Design). Bei einem Kurspreis von CHF 149 und zehn Käufen pro Monat erreichst du die untere Grenze nach einem Monat. Bei CHF 89 und sechs Käufen dauert es drei Monate. Der Schlüsselfaktor ist: Kurse sind skalierbar - die Erstellungskosten fallen einmalig an, die Einnahmen kommen wiederkehrend.
Stabile monatliche Einnahmen von CHF 2'000 bis 5'000: sechs bis zwölf Monate
Passion.io beschreibt einen 90-Tage-Roadmap zum ersten stabilen Monatsumsatz - vorausgesetzt, du startest nicht bei null. Für Ersteller ohne bestehende Audience ist ein Zeithorizont von sechs bis zwölf Monaten für CHF 2'000 bis 5'000 monatlichen Umsatz realistischer. Einige erreichen es schneller, viele später.
Zehn Prozent schaffen sechs Monate, viele geben nach drei Monaten auf
Influencer Marketing Hub dokumentiert: 40 Prozent der Top-Verdienenden haben die Sechsstellige-Dollar-Schwelle in weniger als zwei Jahren erreicht. Aber "Top-Verdienende" sind nicht alle. Was auf die breite Masse zutrifft: Viele Ersteller geben nach drei Monaten ohne sichtbaren Fortschritt auf - genau dann, wenn der Algorithmus, die SEO-Effekte und das Vertrauen beginnen würden zu greifen.
Die Marge für Kursanbieter ist strukturell attraktiv. Blog.TagMango schätzt die typische Nettomarge nach Plattformgebühren und Marketingausgaben auf 70 bis 90 Prozent - deutlich über dem Branchendurchschnitt physischer Produkte. Das Modell ist profitabel. Die Herausforderung ist nicht das Modell, sondern die Disziplin über den Zeitraum, bis der erste Beweis da ist.
Wie testest du deine Kursidee in der Schweiz mit minimalem Risiko?
Bevor du Wochen oder Monate in die Produktion eines vollständigen Kurses investierst, solltest du einen Schritt vorher validieren: Gibt es Menschen, die bereit sind, für dieses spezifische Thema von dir Geld zu zahlen?
Schritt 1: Thema eng eingrenzen
Ein Kurs über "Marketing" wird nicht funktionieren. Ein Kurs über "Instagram-Strategie für Schweizer Handwerksbetriebe in der Deutschschweiz" hat eine klar umrissene Zielgruppe mit einem spezifischen Problem. Je enger das Thema, desto einfacher das Marketing - und desto höher die Konversionsrate.
Im Artikel Digitale Coaching-Programme erstellen: Der vollständige Leitfaden findest du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Aufbau strukturierter Programme.
Schritt 2: Talkende Kunden suchen, nicht zahlende
Führe fünf bis zehn tiefe Gespräche mit potenziellen Kunden, bevor du einen einzigen Slide erstellst. Frage nicht "Würdest du für so einen Kurs zahlen?" - das ist eine hypothetische Frage mit fast immer positivem Bias. Frage stattdessen: "Wie hast du dieses Problem bisher gelöst?" und "Was hat das dich bisher gekostet?". Die Antworten zeigen dir, ob ein Markt existiert.
Schritt 3: Niedrigste Fixkosten als Sicherheitsnetz
Hier ist der mathematische Kern des Risikomanagements für Kurs-Anfänger in der Schweiz: Wenn du CHF 0 Monatsgebühren zahlst und ausschliesslich eine transaktionsbasierte Gebühr pro Verkauf anfällt, musst du keinen Umsatz generieren, um die Plattformkosten zu decken. Du kannst testen, ohne zu bezahlen, solange nichts verkauft wird.
Das bedeutet konkret: Dein erster Kurs für CHF 149 bringt dir nach Transaktionsgebühr noch fast den vollständigen Betrag. Drei Käufe im ersten Monat - und du hast bereits echtes Kundenfeedback und einen positiven Return. Kein Monatsabo aufzubrauchen, keine Vertragslaufzeit, kein Fixkostendruck.
bondigoo ist genau für diesen Schritt gebaut: CHF 0 monatliche Kosten, CHF 0 Einrichtungsgebühr, ausschliesslich Transaktionsgebühr pro Verkauf. Du läufst nicht das Risiko, Hunderte von Franken in eine Plattform zu zahlen, bevor du deinen ersten Franken verdient hast.
Ergänzend bietet bondigoo integrierte Live-1:1-Sessions und Gruppen-Sessions (mehr zu Live-Sessions), sodass du deinen Kurs mit persönlichen Begleit-Sessions kombinieren kannst - ein Ansatz, der laut mehreren Studien die Abschlussrate und damit auch die Weiterempfehlungsrate deutlich erhöht.
Schritt 4: Kurs vor Launch testen
Verkaufe deinen Kurs, bevor er fertig ist. Das klingt kontraintuitiv - ist aber der direkteste Weg, um zu prüfen, ob jemand bereit ist zu zahlen. Du kannst einen "Gründungspreis" anbieten: der Kurs ist zu einem reduzierten Preis erhältlich, die ersten Käufenden werden Teil des Aufbaus und geben dir Feedback. Das reduziert das Produktionsrisiko auf ein Minimum.
Wie das in der Praxis aussieht - vom ersten Konzept bis zum ersten zahlenden Kunden - zeigt der Artikel Nebenerwerb zum Online-Business: Die Roadmap.
Schritt 5: Schweizer AHV- und Steuerpflichten kennen
Wenn du mit Online-Kursen Einnahmen erzielst, greifen in der Schweiz zwei getrennte Schwellen - die AHV-Beitragspflicht und die MWST-Pflicht. Beide sind unabhängig voneinander:
AHV-Beitragspflicht (Selbständigerwerbende mit Haupterwerb)
- Bis CHF 2'500 pro Jahr: Beitragsfreie Nebentätigkeit für Angestellte - keine AHV-Anmeldung erforderlich. Quelle: AHV-IV Merkblatt 2.09
- CHF 2'500 bis CHF 10'100 pro Jahr: AHV-Anmeldepflicht, Mindestbeitrag CHF 530 pro Jahr. Quelle: AHV-IV Merkblatt 2.02
- Über CHF 10'100 pro Jahr: Regulärer AHV-Beitragssatz von 5.371% bis 10% je nach Einkommen. Quelle: AHV-IV Merkblatt 2.02
MWST-Pflicht (unabhängig vom Erwerbsstatus)
- Bis CHF 100'000 Jahresumsatz: Keine MWST-Pflicht. Quelle: Art. 10 MWSTG via estv.admin.ch
- Ab CHF 100'000 Jahresumsatz: MWST-Registrierungspflicht zu 8.1% (Normalsatz 2024).
Das bedeutet: In einem Einnahmenbereich von CHF 2'500 bis CHF 100'000 bist du zwar AHV-pflichtig, aber nicht MWST-pflichtig und brauchst keine formale Unternehmensstruktur. Erst oberhalb der CHF 100'000-Schwelle wird die Einzelfirmen- oder GmbH-Anmeldung relevant. Die genauen Beiträge hängen von deinem Gesamteinkommen und deinem Erwerbsstatus ab - kläre deinen konkreten Fall mit einer Steuerfachperson oder der zuständigen AHV-Ausgleichskasse.
Mehr zu den rechtlichen Rahmenbedingungen für Nebeneinkünfte findest du im Artikel Side Hustle in der Schweiz - was erlaubt ist.
Wie der Aufbau eines nachhaltigen Coaching-Business in der Schweiz schrittweise aussieht, beschreibt der Artikel Coach-Aufbau in der Schweiz: Zwei Jahre im Rückblick.
Lies auch: Coaching als Nebenerwerb in der Schweiz: So starten Sie neben dem Job
Was trennt die erfolgreichen Kurs-Anbieter von den anderen?
Nach der Auswertung von Plattformdaten und dokumentierten Creator-Geschichten treten immer wieder dieselben Faktoren auf. Es sind keine geheimen Formeln - aber sie sind unbequem, weil sie Zeit und Konsequenz erfordern.
Faktor 1: Sie haben eine bestehende Audience - oder bauen aktiv eine auf
Keiner der gut dokumentierten Fälle beginnt mit "Ich habe den Kurs veröffentlicht und gehofft, dass er sich von selbst verkäuft." Pat Flynn hatte vor seinem ersten grossen Kurs bereits hunderttausende Podcast-Hörer. Marc Lou hatte eine Twitter-Audience. Regina Anajionu hatte 71 E-Mail-Abonnenten. Auch 71 Personen, die dir vertrauen, sind besser als 10'000 fremde Plattformnutzer.
Wenn du heute beginnst und noch keine Audience hast: Das ist kein Hindernis, das dich vom Start abhalten sollte. Es ist eine parallele Aufgabe. Du baust die Audience auf, während du den Kurs entwickelst - nicht danach. Wenn du dein Wissen als Coach professionell vermarkten willst, kannst du als Coach auf bondigoo durchstarten und Kurs, Live-Sessions und ein eigenes Profil von Anfang an miteinander verbinden.
Faktor 2: Sie behandeln den ersten Kurs als Lernphase, nicht als Haupteinnahmequelle
Die meisten erfolgreichen Kurs-Unternehmer beschreiben ihren zweiten oder dritten Kurs als den ersten, der wirklich funktioniert hat. Der erste Kurs lehrt: Welches Format kommt an? Welche Lernenden kaufen? Was sind die häufigsten Fragen im Kurs? Diese Erkenntnisse sind wertvoller als der erste Erlös.
Wer den ersten Kurs finanziell unter Druck setzt, gibt zu früh auf. Wer ihn als Forschungsprojekt betrachtet, lernt das, was nötig ist, um den zweiten Kurs signifikant besser zu machen.
Faktor 3: Sie setzen den Preis hoch genug
70 Prozent der Kurs-Ersteller mit Einnahmen über USD 100'000 haben laut Influencer Marketing Hub Kurse mit einem mittleren bis hohen Preispunkt. Ein Kurs für CHF 299 verkauft sich nicht zehnmal schlechter als einer für CHF 49 - häufig ist es eher umgekehrt, weil höhe Preise Ernsthaftigkeit signalisieren.
Faktor 4: Sie verkaufen Ergebnisse, keine Informationen
Der erfolgreichste Kurs-Positionierungsrahmen ist: "Nach diesem Kurs wirst du in der Lage sein, X zu tun" - wobei X etwas Konkretes und Messbares ist. "Grundlagen des Online-Marketings verstehen" ist kein X. "Deinen ersten zahlenden Kunden per LinkedIn-Outreach gewinnen in 30 Tagen" ist ein X.
Ob das Modell für dein Thema und deine Zielgruppe funktioniert, zeigt der Vergleich verschiedener Plattform-Optionen: Online-Kurs-Plattform-Vergleich 2026 für die Schweiz.
Passives Einkommen oder aktive Arbeit?
Die Vorstellung, dass Online-Kurse "passives Einkommen" generieren, ist ein beliebtes Marketing-Versprechen. Die Realität ist differenzierter.
Was tatsächlich passiv sein kann: Ein Kurs, der einmal aufgezeichnet und auf einer Evergreen-Basis veröffentlicht wurde, kann Käufe generieren, ohne dass du aktiv Zeit investierst - wenn die Marketingmaschinerie läuft. Das heisst: Die Plattform-SEO, dein Newsletter, dein Social-Media-Content oder bezahlte Anzeigen bringen kontinuierlich neue Käufende.
Was selten wirklich passiv ist: Der Aufbau dieser Maschinerie. Die ersten sechs bis zwölf Monate sind aktive Arbeit: Kurs erstellen, vermarkten, Feedback einarbeiten, Audience aufbauen. Wer in dieser Phase "passiv" denkt, wird enttäuscht sein.
Was nach dieser Aufbauphase möglich ist, beschreibt der Artikel Passives Einkommen aus Wissen: Modelle für die Schweiz genauer.
Der Schweizer Coaching-Markt insgesamt - und damit auch die Nachfrage nach digitalen Lernformaten - wächst. Der Coaching-Markt Schweiz 2026 gibt einen Überblick über die aktuellen Marktgrössen und Segmente.
Fazit: Echte Zahlen, realistische Erwartungen
Online-Kurse können ein substanzielles Einkommen generieren. Sie können aber auch nichts generieren - und das trifft die Mehrheit im ersten Jahr. Die bimodale Verteilung ist kein Argument gegen den Einstieg. Sie ist ein Argument für einen informierten Einstieg.
Die relevantesten Punkte in Kurzform:
- 75% verdienen unter CHF 880 jährlich - nicht weil der Markt gesättigt ist, sondern weil Marketing-Konsequenz fehlt.
- Der Median von CHF 33'000 jährlich ist erreichbar - für jemanden mit bestehender Audience, klarem Thema und aktivem Marketing.
- Der erste Kurs ist ein Forschungsprojekt, kein Finanzierungsplan. Plane entsprechend.
- Niedrige Fixkosten schonen die Lernphase. Wer CHF 0 monatlich zahlt, kann lernend scheitern, ohne finanzielle Konsequenzen tragen zu müssen.
Der erste Schritt ist der schwerste - aber er muss nicht der teuerste sein.
Bereit, deine Kurs-Idee mit minimalem Risiko zu testen?
Starte auf bondigoo - ohne Fixkosten, nur Transaktionsgebühr pro Verkauf