Online-Kurse in der Schweiz werden in fünf klaren Preisbändern verkauft - von CHF 19 bis CHF 1'500 und mehr. Welches Preisband zu deinem Kurs passt, hängt von drei Faktoren ab: dem Format, dem versprochenen Ergebnis und deiner Zielgruppe.

Die fünf Bänder im Überblick:

  • CHF 19-49 - Einstiegskurs / Tripwire / Lead-Generierung (kurzes Self-paced-Format, unter 2 Stunden Inhalt)
  • CHF 99-199 - Das klassische Self-paced-Kursformat (4-8 Stunden, strukturiert)
  • CHF 299-499 - Mehrteiliger strukturierter Kurs mit Aufgaben und Community-Diskussion
  • CHF 699-999 - Premium-Kohorte mit Live-Gruppen-Sessions, begrenzter Teilnehmerzahl
  • CHF 1'299-1'500+ - Gruppen-Coaching-Programm mit 1:1-Elementen und individueller Begleitung

Wer diese Bänder kennt, weiss auch: Es gibt kein "richtiges" Preisniveau. Es gibt nur die Frage, welches Preisband zum konkreten Format und zum versprochenen Ergebnis passt.


Welches Preisband passt zu deinem ersten Online-Kurs?

Bevor wir in die Psychologie und die Marktdaten einsteigen, lohnt ein Blick auf die Preis-Matrix. Sie zeigt, welche Erwartungen Käufer in der Schweiz an jeden Preispunkt stellen:

Preisbereich Format Content-Umfang Typische Zielgruppe Beispiel-Positionierung
CHF 19-49 Self-paced, sehr kurz Unter 2 Stunden Neugierige, Low-Risk-Käufer "Einstieg in Steuern als Selbstständige"
CHF 99-199 Self-paced, strukturiert 4-8 Stunden Personen mit konkretem Problem "Content-Strategie für Coaches in 6 Wochen"
CHF 299-499 Hybrid (async + Community) 8-15 Stunden Entschlossene Lernende "Webinar-Kurs mit Q&A und Assignment-Feedback"
CHF 699-999 Kohorte mit Live-Sessions 12-20 Stunden Intensivlernende, Ergebnisorientierte "8-Wochen-Gruppencoaching, max. 12 Personen"
CHF 1'299-1'500+ Gruppen-Coaching + 1:1 20+ Stunden High-Commitment-Käufer "Mentoring-Programm mit individueller Session"

Diese Matrix ist kein Preisschild. Sie ist ein Versprechen. Wer CHF 1'500 verlangt, muss liefern können, was ein Kurs für CHF 1'500 verspricht - also Transformation, Begleitung, Ergebnis. Wer CHF 49 verlangt, baut Vertrauen auf und gewinnt Erstkunden.

Das Tripwire-Band: CHF 19-49

Das Tripwire-Produkt - ein Begriff aus dem Direct-Response-Marketing - ist nicht dafür gedacht, Geld zu verdienen. Es ist dafür gedacht, Käufer von Nicht-Käufer zu trennen. Eine Person, die CHF 29 für einen Einstiegskurs bezahlt hat, ist psychologisch und verhaltensmässig eine andere Person als jemand, der sich nur in deine Newsletter-Liste eingetragen hat.

Das bedeutet: Wer in der Schweiz einen Online-Kurs zum ersten Mal verkauft, kann mit einem CHF 29-Kurs starten - nicht weil der Kurs wenig wert ist, sondern weil das Ziel Vertrauen ist, nicht Umsatz. Die eigentliche Umsatzmaschine liegt weiter oben in der Preisleiter.

Gleichzeitig gilt: Ein dauerhaft sehr niedriger Preis signalisiert geringen Wert. Wer seinen Kurs dauerhaft als "CHF 19-Kurs" positioniert, wird Mühe haben, später auf CHF 199 zu wechseln. Dazu später mehr.

Das klassische Band: CHF 99-199

Laut Ruzukus State of Online Courses 2026-Bericht liegt der Medianpreis auf dem Kursmarkt bei rund CHF 110, während der Durchschnitt durch Premiumangebote auf CHF 416 angehoben wird (Ruzuku State of Online Courses 2026). Das zeigt: Das CHF 99-199-Band ist der grösste Markt - und gleichzeitig auch der umkampfteste.

Für einen ersten strukturierten Kurs in der Schweiz ist CHF 129 oder CHF 149 ein sinnvoller Einstiegspreis. Er kommuniziert: "Das hier ist professionell gemacht und dein Geld wert", ohne Käufer abzuschrecken, die noch kein tiefes Vertrauen in dich als Anbieter aufgebaut haben.

Die Plattform Teachable zeigt in ihrer Creator-Datenbank typische Einstiegspreise von CHF 50-100 und etablierte Kurse im Bereich CHF 80-400 (Ruzuku Teachable-Vergleich). Kajabi-Ersteller arbeiten typischerweise im Band CHF 150-500 (Kourses Kajabi vs Teachable).

Das strukturierte Band: CHF 299-499

Ab CHF 299 beginnt ein anderer Käufer-Typ. Diese Person fragt nicht mehr "Kann ich mir das leisten?", sondern: "Wird mir das wirklich helfen?" Der Inhalt reicht hier nicht mehr alleine. Struktur, Feedback, Community-Elemente und ein klares versprochenes Ergebnis sind nötig.

Auf bondigoo lässt sich das konkret umsetzen: Kurse in diesem Preisband können in der Kurs-Engine strukturiert werden mit Kapiteln, Lernzielen und der integrierten Diskussionsfunktion für Q&A zwischen Teilnehmenden und Kursleiter. Damit entsteht das Community-Gefühl, das Käufer in diesem Preissegment erwarten. Mehr zur Programme-Funktion auf bondigoo

Das Premium-Band: CHF 699-999

Hier arbeiten Coaches mit live Gruppen-Sessions. Die Kursgrösse ist begrenzt - typisch 8-15 Personen. Das schafft Exklusivität und rechtfertigt den Preis. Skool, eine US-Community-Plattform, zeigt Mitgliedschaftspreise von USD 19-99+ pro Monat für Gemeinschaften mit Kurs-Inhalten. Kohortenformate werden laut Marktdaten mit einem 3-5x Aufschlag gegenüber vergleichbaren Self-paced-Formaten bewertet.

Auf bondigoo ist dieses Format direkt umsetzbar: Live-Gruppen-Sessions und geplante Gruppen-Sitzungen lassen sich mit dem Kurs-Programm verknüpfen, sodass eine hybride Erfahrung entsteht.

Das Gruppen-Coaching-Band: CHF 1'299-1'500+

Das teuerste Band ist kein Kurs im klassischen Sinne mehr. Es ist ein Begleitprogramm. Hier kauft die Person nicht Wissen, sondern Transformation mit persönlicher Unterstützung. Das setzt voraus, dass du als Coach bereits Vertrauen aufgebaut hast - durch Testimonials, durch eine sichtbare Expertise, durch eine Community, die dich kennt. Mit dieser Basis kannst du als Coach auf bondigoo durchstarten und dein Begleitprogramm direkt zum Verkauf stellen.

Wenn du dieses Preisband anstrebst, lies auch: Von der Idee zum Coach-Business: Zwei Jahre auf bondigoo


Warum funktioniert CHF 99 psychologisch besser als CHF 100?

Die kurze Antwort: Wegen des Left-Digit-Effekts. Unser Gehirn verarbeitet Zahlen von links nach rechts und bewertet die erste Stelle überproportional. Gita Johar (Columbia Business School) und Manoj Thomas und Vicki Morwitz haben in ihrer Forschung gezeigt, dass CHF 99 vom Gehirn eher als "näher an CHF 90" als "fast CHF 100" verarbeitet wird - obwohl der Unterschied nur CHF 1 beträgt.

Simon-Kucher, eine der weltweit führenden Pricing-Beratungen, dokumentiert diesen Effekt in ihrer Analyse psychologischer Preisstrategien: Charm Pricing mit .99-Endungen funktioniert nachweisbar, insbesondere bei Preispunkten unter CHF 100 (Simon-Kucher Pricing Psychology).

Was heisst das konkret für Online-Kurse in der Schweiz?

  • CHF 99 statt CHF 100 - funktioniert, klar wahrnehmbar
  • CHF 199 statt CHF 200 - starkste Wirkung bei mittleren Preispunkten
  • CHF 499 statt CHF 500 - der Unterschied bleibt wirksam
  • CHF 1'499 statt CHF 1'500 - bei hohen Preispunkten wird der Effekt schwächer, bleibt aber messbar

Robert Cialdini beschreibt in seinem Standardwerk "Influence: The Psychology of Persuasion" das Kontrastprinzip: Die erste Zahl, die wir sehen oder hören, wird zur Referenz für alle nachfolgenden Bewertungen (Cialdini, Influence). Für die Preisgestaltung heisst das: Der erste Preis, den ein Käufer auf deiner Kursseite sieht, prägt seine gesamte Bewertung des Angebots.

Praktischer Hinweis für die Schweiz: Anders als im deutschsprachigen D-A-Raum sind CHF-Preise mit Charm-Endungen vollständig konventionell. Schweizer Käufer sind diese Preispunkte gewohnt - CHF 99, CHF 199, CHF 499, CHF 1'499 sind native Schweizer Anker, keine US-Importe.

Vier Prinzipien aus der Verhaltenspsychologie - direkt anwendbar auf deine Kursseite

Prinzip Quelle Anwendung auf Online-Kurs-Pricing
Anker-Effekt Cialdini, "Influence" Ein Premium-Anker (CHF 1'499) lässt den Standard-Kurs (CHF 499) erschwinglich wirken
Decoy-Effekt Ariely, "Predictably Irrational" Drei-Stufen-Bundle: Basis (CHF 99), Standard (CHF 199), Premium (CHF 499) - Standard gewinnt
Verlust-Aversion Kahneman & Tversky, 1979 "5 Fehler vermeiden" konvertiert besser als "5 Strategien gewinnen"
Charm Pricing Thomas & Morwitz, Forschung zur linken Ziffer CHF 99 statt CHF 100, CHF 199 statt CHF 200, CHF 1'499 statt CHF 1'500

Diese vier Prinzipien sind keine Tricks. Sie beschreiben, wie unser Gehirn Preise verarbeitet - und du kannst sie ab dem ersten Kurs einsetzen.


Wie nutzt du Anker-Preise und den Decoy-Effekt?

1990 hatte Williams-Sonoma ein Problem: Ihr Brotbackautomat für USD 279 verkaufte sich schlecht. Die Lösung war kontraintuitiv: Sie fügte ein teureres Modell für USD 429 zum Sortiment hinzu. Die Verkaufszahlen des USD-279-Modells verdoppelten sich - nicht weil das Produkt besser wurde, sondern weil es nun "vergleichsweise erschwinglich" wirkte (Econlife Pricing Strategy).

Dieses Prinzip - das Anchoring - hat Dan Ariely in seinem Buch "Predictably Irrational" mit dem berühmt gewordenen Economist-Magazin-Experiment weiter belegt: Wenn die Zeitschrift drei Optionen anbot - Web-Abo für USD 59, Print-Abo für USD 125, oder Web+Print für USD 125 - entschieden sich 84% für das Web+Print-Paket (gegenüber 32% ohne die Print-Abo-Option als "Decoy"). Das Print-Abo alleine kaufte praktisch niemand. Es war dafür da, das Web+Print-Abo grosszügig erscheinen zu lassen (The Strategy Story, Economist Decoy Pricing).

Wie überträgst du das auf deinen Online-Kurs in der Schweiz?

Drei-Stufen-Paketierung

Statt einen einzigen Kurs anzubieten, bietest du drei Optionen an:

  1. Basis (CHF 99) - Kurs-Video + Materialien
  2. Standard (CHF 199) - Kurs + Community-Zugang + 2 Gruppen-Q&A-Sessions
  3. Premium (CHF 499) - Alles aus Standard + eine 45-Minuten 1:1-Session

Der Decoy-Effekt funktioniert hier auf zwei Ebenen: Die Basis-Option macht Standard "verständlich teuer". Die Premium-Option macht Standard "günstig im Vergleich". Das meiste Kaufvolumen landet auf Standard - genau wie Ariely vorhergesagt hat.

Anker-Preise auf der Kursseite

Wenn du rabattierst - was in der Schweiz seltener notwendig ist als auf Udemy - zeige immer den Originalpreis zuerst. "CHF 199, heute CHF 149" aktiviert den Anker-Effekt von Cialdini: Der Käufer sieht CHF 199 zuerst und bewertet CHF 149 als Schnappchen, auch wenn CHF 149 dein eigentlicher Kalkulations-Preis ist.

Auf bondigoo kannst du prozentuale und fixe Rabattcodes einrichten und Preise pro Programm individuell steuern. Alle Funktionen erklärt

Lies auch: Passives Einkommen mit Wissen: Modelle für die Schweiz


Warum verlieren Anfänger Geld, wenn sie zu niedrig anfangen?

Daniel Kahneman und Amos Tversky haben 1979 in ihrer Prospect Theory (späteres Nobel-Preiswerk, 2002) gezeigt, dass Menschen Verluste psychologisch 2 bis 3 Mal schwerer gewichten als gleich grosse Gewinne (Kahneman & Tversky, Prospect Theory, 1979).

Für die Kurspreisgestaltung heisst das: Ein Käufer, der CHF 29 für einen Kurs bezahlt hat, hat eine andere Risikowahrnehmung als jemand, der CHF 299 investiert hat. Wer CHF 299 gezahlt hat, macht den Kurs. Wer CHF 29 gezahlt hat, vielleicht nicht.

Das ist der erste Fehler von Anfängern: zu niedrige Preise gefährden nicht nur den Umsatz, sie gefährden auch die Abschlussrate - und damit die Testimonials, auf die du für dein Wachstum angewiesen bist.

Der Wert-Signal-Effekt

Madhavan Ramanujam, Partner bei Simon-Kucher und Autor von "Monetizing Innovation", hat in seiner Analyse von über 180 Produktlaunches dokumentiert: 72% der Produktinnovationen scheitern finanziell, obwohl sie technisch funktionieren. Der Hauptgrund: Die Zahlungsbereitschaft der Zielgruppe wurde nicht früh genug ermittelt (Ramanujam, Monetizing Innovation).

Für Online-Kurse in der Schweiz gilt das genauso: Ein Kurs für CHF 19 kommuniziert "das ist wenig wert". Ein Kurs für CHF 199 kommuniziert "das ist ein professionelles Angebot". Preise signalisieren Qualität - das gilt auch dann, wenn der Inhalt des CHF-19-Kurses besser sein sollte als der CHF-199-Kurs.

Framing als Verlust statt als Gewinn

Die Prospect Theory erklärt auch, warum bestimmte Texte besser konvertieren als andere. "Vermeide 5 kostspielige Fehler beim Start deines ersten Online-Kurses" (Verlust-Frame) konvertiert nachweislich besser als "Lerne 5 bewährte Strategien für deinen Online-Kurs" (Gewinn-Frame). Die Verlust-Formulierung aktiviert dieselbe Gehirn-Region, die auf echte Bedrohungen reagiert.

Das gilt für deine Kursseite genauso: Was verliert die Person, wenn sie deinen Kurs nicht macht? Beantworte diese Frage explizit.

Patrick Campbell, Gründer von ProfitWell und einer der weltweit meistzitierten Pricing-Experten (basierend auf Daten von über 20'000 SaaS-Unternehmen), formuliert es so: "Wie du verrechnest, ist wichtiger als wie viel du verrechnest." Quelle: Acquired Podcast, Patrick Campbell Episode. Packung, Framing und Reihenfolge des Angebots steuern die Kaufentscheidung oft mehr als der Preis selbst.

Lies auch: Was Online-Kurs-Ersteller in der Schweiz wirklich verdienen


Was kannst du auf Udemy nicht verlangen - und wo bondigoo dir die volle Preis-Hoheit gibt?

Udemy hat ein strukturelles Problem: Das Plattform-Geschaftsmodell erfordert massive Marketingbudgets. Diese Budgets werden über permanente Sitewide-Rabattaktionen finanziert. Das Ergebnis: Ein Kurs, der mit USD 199 gelistet ist, wird faktisch für USD 13 bis USD 20 verkauft.

Ruzuku dokumentiert: Der Udemy-Listenpreis liegt bei USD 19.99-199.99. Der tatsächlich erzielte Medianpreis liegt jedoch zwischen USD 13.99 und USD 20.40 - wegen dauerhafter plattformweiter Rabattierer. Im Jahr 2023 betrug der Udemy-Durchschnittserlös USD 18.60, 2025 sank er auf unter USD 13 (Ruzuku Udemy Pricing).

Das bedeutet: Wenn du deinen Kurs auf Udemy einstellst, verlierst du de facto die Kontrolle über deinen Preis. Udemy entscheidet, wann und wie stark dein Kurs rabattiert wird. Das ist strukturell bedingt - keine Kritik am Modell, aber ein Fakt, den Kursersteller kennen müssen.

Das bondigoo-Modell: CHF 0 Fixkosten, volle Preis-Hoheit

Volle Preis-Hoheit auf bondigoo Im Gegensatz zu Udemy (effektiv USD 13 durch erzwungene Rabatte) behältst du auf bondigoo 100% Preis-Kontrolle. CHF 0 Fixkosten - du setzt deinen Wunschpreis und behältst ihn.

bondigoo erhebt keine Monatsgebühr und keine Setup-Gebühr. Das Geschaftsmodell basiert auf einer transaktionsbasierten Beteiligung - und das bedeutet: Es gibt kein Plattform-Marketingbudget, das über erzwungen niedrige Preise zurückgewonnen werden muss.

Du setzt den Preis. Du entscheidest, ob und wann du rabattierst. bondigoo greift nicht in deine Preisgestaltung ein.

Konkret kannst du auf bondigoo:

  • Jeden Kurs mit einem eigenen Preis in CHF, EUR, USD oder GBP ausstatten
  • Prozentuale und fixe Rabattcodes erstellen und steuern, wer sie erhält
  • Preise jederzeit anpassen - ohne Genehmigung der Plattform

Zum Vergleich: Udemy's Rabatt-System ist plattformkontrolliert. Dein CHF-199-Kurs kann morgen für CHF 13 verkauft werden, ohne dass du es verhindern kannst - und in vielen Fällen ohne dass du es rechtzeitig weisst.

Das ist der entscheidende Unterschied: Auf Plattformen mit eigenem Marketingbudget wird der Coach-Preis zum Instrument der Plattform-Strategie. Auf bondigoo bleibt er dein Instrument.

Lies auch: Online-Kurs-Plattformen im Vergleich: Welche passt für die Schweiz? und Kurs vs. Coaching vs. Membership: Was passt zu dir?


Wie du den richtigen Preis für dein Thema findest

Das grösste Missverständnis bei der Preisfindung ist die Annahme, der Preis ergebe sich aus dem Aufwand für den Kurs. Tatsächlich ergibt er sich aus dem Ergebnis für die Teilnehmenden.

Eine Steuerspezialistin in Zuerich, die einen CHF 299-Kurs über Mehrwertsteuer-Abrechnungen für Freelancer anbietet, muss sich nicht fragen: "Wie viele Stunden habe ich aufgewendet?" Sie muss sich fragen: "Wie viel kostet ein einziger Buchhalter-Fehler bei der MwSt-Abrechnung den Teilnehmenden?" Wenn die Antwort "CHF 500 bis CHF 2'000 an Bussgeldern und Nachzahlungen" ist, dann erscheint CHF 299 als kluge Investition - nicht als Ausgabe.

Diese Denke ist es, die Pricing-Berater als "value-based pricing" bezeichnen: Der Preis ist ein Bruchteil des messbaren Nutzens, den der Teilnehmende durch den Kurs vermeidet oder erzielt.

Lies auch: Coaching-Pakete vs. Stundenlohn: Vom Hamsterrad zum skalierbaren Geschäftsmodell

Die Van Westendorp-Methode für Kurse

Madhavan Ramanujam und sein Team bei Simon-Kucher setzen in der Praxis häufig eine vereinfachte Version der Van-Westendorp-Preissensitivitätsstudie ein, um die Zahlungsbereitschaft vor einem Produktlaunch zu messen. Die Methode funktioniert auch für individuelle Kursersteller mit kleiner Stichprobe.

Stelle diesen vier Fragen 10-20 Personen aus deiner Zielgruppe - nicht deinen engsten Freunden, sondern tatsächlichen potenziellen Teilnehmenden:

  1. "Ab welchem Preis wäre der Kurs so günstig, dass du die Qualität bezweifeln würdest?"
  2. "Ab welchem Preis würde der Kurs dir günstig erscheinen - ein echtes Schnappchen?"
  3. "Ab welchem Preis wäre der Kurs teuer, aber noch akzeptabel?"
  4. "Ab welchem Preis wäre der Kurs eindeutig zu teuer?"

Die Antworten liefern keine perfekte Zahl, aber sie zeigen die Bandbreite, in der dein Preis liegen muss: nicht unter der "günstig-bis-zweifelhaft"-Grenze, nicht über der "eindeutig zu teuer"-Grenze. Innerhalb dieses Korridors wähle den höheren Wert - du kannst später immer noch rabattieren, aber eine einmal etablierte Preiserwartung ist schwer nach oben zu korrigieren.

Testpreise vor dem Launch

Ein unterschätztes Instrument: Bevor du deinen Kurs offiziell startest, verkaufe 3-5 Frühbucher-Plätze an reale Personen zu einem "Gründungspreis". Dieser Preis liegt typischerweise 20-30% unter dem geplanten Listenpreis.

Warum das funktioniert: Du bekommst echtes Kaufverhalten (nicht nur Meinungen) und echte Testimonials. Du siehst, ob bei CHF 119 gekauft wird, aber nicht bei CHF 149 - eine Information, die keine Umfrage ersetzen kann. Und du hast von Tag eins an Teilnehmende, deren Abschlussrate und Zufriedenheit du direkt beobachten kannst.


Praktische Schritte für die Preisfindung

  1. Bestimme das Format zuerst. Bevor du einen Preis nennst, beantworte: Wie viele Stunden Content? Self-paced oder Kohorte? Live-Elemente oder rein async?

  2. Berechne den Wert des Ergebnisses. Was kostet es deine Zielgruppe, das Problem NICHT zu lösen? Ein CHF 199-Kurs über Businessplan-Erstellung ist günstig im Vergleich zu einem Beratungshonorar von CHF 3'000 für dasselbe Ergebnis.

  3. Ermittle die Zahlungsbereitschaft. Ramanujam empfiehlt: Frag 10-20 Personen aus deiner Zielgruppe, bevor du den Preis festlegst. Nutze die Van-Westendorp-Fragen (günstig bis zweifelhaft / Schnappchen / teuer aber ok / eindeutig zu teuer) statt der vagen "Was wäre dir das wert?"-Frage.

  4. Wähle einen Charm-Pricing-Anker. CHF 99, CHF 199, CHF 299, CHF 499, CHF 1'499 sind etablierte Schweizer Anker. Vermeide CHF 100, CHF 200, CHF 300.

  5. Plane deine Preisstufen. Wenn möglich: drei Optionen, damit der Decoy-Effekt arbeiten kann.

  6. Frame als Verlust. Was kostet es deine Zielgruppe, den Kurs nicht zu machen? Stelle diese Frage explizit auf deiner Kursseite.

  7. Starte höher als du denkst. Runterkorrigieren ist einfacher als heraufsetzen. Ein erster Preis von CHF 149 kann zu CHF 99 werden. Ein erster Preis von CHF 29 kann psychologisch kaum zu CHF 199 werden.

  8. Verkaufe Frühbucher-Plätze vor dem offiziellem Launch. 3-5 Teilnehmende zu 20-30% Rabatt liefern echtes Kaufverhalten, erste Testimonials und direkte Abschlussraten-Daten - alles gleichzeitig.

Die Buchhaltung und Rechnungsstellung ist auf bondigoo automatisiert - die integrierte Steuerberechnung rechnet die Schweizer Mehrwertsteuer automatisch, und du bekommst B2C-Rechnungen und B2B-Selbstausstellung ohne manuellen Aufwand. Mehr zu Rechnungen und Steuer

Lies auch: Coaching-Markt Schweiz 2026: Zahlen, Trends, Chancen


Fazit: Dein Preis ist eine Aussage, keine Entschuldigung

Der häufigste Fehler beim Erstpreis eines Online-Kurses in der Schweiz ist nicht zu viel verlangen - es ist zu wenig verlangen aus Unsicherheit. Die Psychologie und die Marktdaten zeigen beide dasselbe: Wert wird durch Preis signalisiert. Wer sich für CHF 49 entschuldigt statt CHF 199 selbstsicher anzubieten, verpasst nicht nur Umsatz, sondern schwäche auch das Vertrauen der Zielgruppe in das Angebot.

Die fünf Preisbänder existieren, weil fünf verschiedene Käufertypen und fünf verschiedene Format-Versprechen existieren. Die Aufgabe ist nicht, den "richtigen" Preis zu finden. Die Aufgabe ist, das Format ehrlich einzuschätzen und den Preis zu wählen, der zu diesem Format und diesem Versprechen passt.

Was du heute tun kannst: Schreib in einer Zeile auf, welches messbare Ergebnis dein Kurs liefert. Dann frag dich, was dieses Ergebnis für deine Zielgruppe wert ist - in Zeit, in Geld, in vermiedenem Aufwand. Dieser Wert ist dein Ausgangspunkt. Der Preis ergibt sich daraus, nicht aus dem Stundensatz deiner Produktionszeit.


Bereit, dein erstes Programm mit dem richtigen Preis zu testen?

Starte auf bondigoo - volle Preis-Hoheit, ohne Plattform-Fixkosten

FAQ

Was kostet ein guter Online-Kurs typischerweise in der Schweiz?

Der Medianpreis für Online-Kurse auf dem Schweizer und internationalen Markt liegt laut Ruzuku State of Online Courses 2026 bei rund CHF 110. Der Durchschnitt wird durch Premiumangebote auf CHF 416 angehoben. Das klassische Band für strukturierte Self-paced-Kurse liegt zwischen CHF 99 und CHF 199. Mehrteilige Kurse mit Community-Elementen oder Live-Sessions werden typischerweise für CHF 299-999 verkauft.

Soll ich meinen ersten Online-Kurs günstig oder teuer ansetzen?

Ein zu niedriger Einstiegspreis signalisiert geringen Wert und gefährdet die Abschlussrate - wer CHF 299 zahlt, macht den Kurs eher als jemand, der CHF 29 gezahlt hat. Für einen ersten strukturierten Kurs empfehlen Pricing-Experten wie Madhavan Ramanujam (Simon-Kucher), die Zahlungsbereitschaft der Zielgruppe früh zu ermitteln und dann konsequent höher zu starten als man sich traut. Runterkorrigieren ist einfacher als heraufsetzen.

Warum verkaufen Kurse auf Udemy zu USD 13?

Udemy finanziert sein Plattform-Marketingbudget über permanente sitewide Rabattaktionen. Das Ergebnis: Kurse mit Listenpreisen von USD 99-199 werden faktisch für USD 13-20 verkauft. Ruzuku dokumentiert, dass der Udemy-Durchschnittserlös von USD 18.60 im Jahr 2023 auf unter USD 13 im Jahr 2025 gesunken ist. Kursersteller haben auf Udemy keine Kontrolle über ihre Preise, da Udemy die Rabattierungsstrategie plattformweit steuert.

Was ist Charm Pricing und funktioniert das im Schweizer Markt?

Charm Pricing bezeichnet die Strategie, Preise knapp unterhalb einer runden Zahl zu setzen - CHF 99 statt CHF 100, CHF 199 statt CHF 200. Der Effekt basiert auf dem Left-Digit-Effekt: Unser Gehirn verarbeitet die erste Ziffer eines Preises überproportional stark. Im Schweizer Markt funktioniert Charm Pricing nachweislich - CHF 99, CHF 199, CHF 499 und CHF 1'499 sind etablierte native Anker, mit denen Schweizer Käufer vertraut sind.

Wie nutze ich Anker-Preise für mehr Verkäufe?

Anker-Preise basieren auf dem Prinzip, dass der erste Preis, den ein Käufer sieht, zum Referenzpunkt für alle weiteren Bewertungen wird (Cialdini, 'Influence'). Praktisch: Biete immer mindestens zwei Optionen an, damit die günstigere als 'verhältnismässig erschwinglich' wahrgenommen wird. Noch wirksamer ist die Drei-Stufen-Paketierung mit einem Decoy: Basis (CHF 99), Standard (CHF 199) und Premium (CHF 499) - die meisten Käufer wählen Standard, weil es gegenüber Premium günstig wirkt.

Sind CHF 99 oder CHF 199 die besseren Anker für einen ersten Kurs?

Für einen ersten strukturierten Online-Kurs in der Schweiz ist CHF 129 oder CHF 149 ein sinnvoller Einstiegspunkt - es signalisiert Professionalität ohne zu viel Vertrauen vorauszusetzen. CHF 99 eignet sich als Einstieg in eine mehrstufige Produktleiter, wobei höherpreisige Angebote in der gleichen Themendomäne folgen. CHF 199 ist der bessere Anker, wenn der Kurs klar strukturiert ist und ein konkretes Ergebnis verspricht. Beide Preispunkte nutzen den Left-Digit-Effekt gleichermassen.